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Im Mai 2000 war ich für 4 Wochen im Nahen Osten unterwegs. Irgendwie scheine ich in meiner Kindheit zu viele Märchen aus 1001 Nacht gehört zu haben, denn der Orient fasziniert mich. Zuerst war ich in Syrien und dann knapp 2 Wochen in Jordanien. Mal wieder war es mitten in der Nacht, als ich mit dem Umweg über
London (mittlerweile kenne ich den Flughafen Heathrow wie meine Westentasche),
in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, landete. Froh, ein Bett gefunden
zu haben (auch wenn es furchtbar weich war), schlief ich ein und bekam
kaum mit, als meine Mitbewohnerinnen kamen. Zwei Australierinnen teilten
sich mit mir das Zimmer und wollten auch am nächsten Tag nach Damaskus,
genau wie ich.
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Ach, Damaskus, uralte Stadt und die orientalischste, die ich je gesehen habe. Die Altstadt um die Omajaden-Moschee sieht genauso aus, wie man es sich vorstellt. Enge Gassen, schmale Durchgänge, ab und an blitzt ein Minarett über den Dächern hervor und manchmal sieht man in ein Haus, in einen Innenhof und dort plätschert der Brunnen leise. Ein Wirrwarr aus kleinen Straßen, in denen es Spaß macht, sich zu verlaufen und besonders am Abend, wenn die kleinen Stände, die Süßigkeiten und Essen verkaufen,von Gruppen von Kindern und Familien umringt sind, dann glaubt man wirklich in einem Märchen von Shehrezade zu sein. Leise hört man den Muezzin zum Gebet rufen und der Mond steht voll am Himmel. Neben dieser romantischen Altstadtmit ihren Basaren und verwinkelten
Gassen kann man sich die Omajaden-Moschee, den Azeem-Palast, die Gerade
Straße mit dem christlichen Viertel und der Ananaias-Kapelle anschauen.
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Altstadt, Damaskus |
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Säulen des Jupitertempels, Baalbek |
Kaum hat man die Grenze in den Libanon überschritten, schon fallen einem die häufigen Checkpoints der Syrer auf. Schon komisches Gefühl und man bekommt doch mit, dass es hier nicht immer sehr friedvoll zugeht. Aber die Reise verlief ohne Zwischenfälle und dann waren wir am Ziel, dem großen Jupiter-Tempel von Baalbek. Wäre er fertig geworden, wäre es die größte Tempelanlage der damaligen Zeit gewesen. Aber auch die Ruinenreste und insbesondere die Säulen sind schon sehr imposant, wenn man daneben steht. Der Bacchus-Tempel, der auch zur Anlage gehört, ist wesentlich besser erhalten und man bekommt einen guten Eindruck, wie früher die Tempel ausgesehen haben müssen.Nach der Besichtigung trennten sich unsere Wege. Die beiden Mädels fuhren weiter nach Beirut und ich wieder zurück nach Syrien. Die Rückfahrt an sich war schon auch ein Abenteuer, bei dem eine kleine Stadt irgendwo im Libanon, zwei Minibusse, eine ewige Warterei auf Weiterfahrt und mangelnde Verständigungsmöglichkeiten die Hauptbestandteile waren. Glücklich und endlich war ich aber irgendwann wieder zurück im Guest House und konnte weitere Pläne für meinen Aufenthalt im Orient schmieden. |
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Nach einem weiteren Tag in Damaskus fuhr ich (ganz unspektakulär) mit einem Bus nach Palmyra. Das ist eine Ruinenstadt mitten in der Wüste, die ihrerzeit von einer Königin regiert wurde, die sich 2 Mal gegen die Römer auflehnte. Die Stadt wurde daraufhin dem Erdboden gleich gemacht und auch heute sind noch ca. 80% der Stadt zerstört oder von der Wüste bedeckt. Aber die bereits ausgegrabenen und restaurierten 20% haben es in sich und sind durchaus eine Reise wert. In Palmyra heuerte ich ein Taxi mit Privatchauffeur an (naja, wenn ich ehrlich bin, war es eher umgekehrt) und fuhr nach Aleppo. Wichtigste Stationen dieser Tage waren die Festungen Qasr Al-hayr Ash-Sharqi und Rasafeh in der Wüste, die Stadt Hama und die Kreuzritterburg Crac de Chevalier. In Homs hatte der Luxus des Chauffeurs sein Ende und ich stieg wieder in einen Bus, der mich nach Aleppo bringen sollte. |
Palmyra, Tempel des Gottes Baal Shamin
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Crac de Chevalier |
Ich würde so eine Tour mit Chauffeur wirklich empfehlen, denn man kommt zu Orten, sie man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreicht und diese sind dann wirklich recht verlassen und man hat Festungen mitten in der Wüste ganz für sich allein. |
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Damaskus und Aleppo liegen schon seit Jahrtausenden im Wettstreit, welche der Städte die Ältere und Schönere ist. Nun, für mich ist es Damaskus. Ja, der Souk von Aleppo ist urtümlicher als der von Damaskus, aber die Altstadt fehlt. Und die hat mich einfach verzaubert. Nichtsdestotrotz kann man einige Tage in und um Aleppo zubringen. Ein Highlight ist das Simeonskloster, wo man die Reste der Säule bestaunen kann, auf der ein Heiliger etliche Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod verbrachte (ja, er saß oben auf der Säule). Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Ruinen eines Ishtar-Tempels und die Zitadelle von Aleppo. Abends kann man dann zur Entspannung auf den Spuren Agatha Christies wandeln und im altehrwürdigen Hotel Baron´s ein Bier oder einen Arak trinken. Von wegen, Moslems trinken keinen Alkohol... Viele Syrer lieben ihren Arak. Ich blieb noch 2 Tage in Damaskus und schaute mir Bosra an. Diese Stadt ist für ihr riesiges Amphitheater und die Bauwerke aus schwarzem Stein bekannt. Leider wissen das auch schon die Neckermänner und haben sie und den Rest von Syrien auch schon entdeckt :-( |
Simeonskloster mit den Resten der Säule |
| Mit einem Sammeltaxi ging es zurück nach Jordanien, wo
ich den Rest meines Urlaubs verbrachte.
Syrien hat mich sehr beeindruckt, denn eigentlich hatte ich keine konkreten Vorstellungen von dem Land. Allein die Landschaften waren so unterschiedlich, Mittelmeerküste, Wüste, sanfte Hügel wie in der Toskana oder der Provence... Die Menschen sind dort auch sehr freundlich und hilfsbereit, sofern man selbst durch respektvolle Kleidung und ein entsprechendes Benehmen dazu beiträgt. Das Land selbst ist weniger westlich geprägt als sein Nachbar Jordanien und durch das Image aus den Medien halten sich die Zahlen der Pauschal-Touristen auch in erträglichem Rahmen. Nur an das allgegenwärtige Portrait des inzwischen verstorbenen Staatsoberhauptes Assad muss man sich gewöhnen. |