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In Indien haben die Kanzleien eine 7-Tage-Woche und auch ich habe mich
diesem Rhythmus unterworfen. An Werktagen waren die meisten der Anwälte
von morgens bis 16 Uhr am High Court bei den Verhandlungen. Ich war einige
Male mit dabei, aber es klingt spannender, als es war. Es gibt keinen
Tagesplan, der besagt, dass von 09:00-11:00 X gegen Y verhandelt wird,
von 11:00-13:00 P gegen Q usw.. Die Verhandlungen dauern bis ein Ergebnis
gefunden wird oder vertagt werden. Entsprechend groß ist das Aufgebot
an Anwälten in den Gerichtsräumen (z.T. mehr als 50!) und sie
flitzen von Raum zu Raum, um zu schauen, ob ein anderer Fall eher an die
Reihe kommt. Am High Court gibt es auch keine Zeugenvernehmungen, sondern
irgendwo ganz weit vorn ist der Richter, der mit den Anwälten etwas
aushandelt und man bekommt als Zuschauer nicht mit, worum es geht. Aber
das System funktioniert irgendwie ;-)
Die meiste Zeit verbrachte ich in der Kanzlei, habe mit den Anwälten
über ihre Arbeit gesprochen oder einfach Gesetze gelesen. Ist schon
auch ganz interessant, die Kinderschutz- oder Arbeitsschutzbestimmungen
zu lesen und dann die Realität zu sehen.
Ich habe auch einiges an Urteilen gelesen, wobei die aus dem Bereich Strafrecht
die interessantesten waren, denn in Indien gibt es noch die Todesstrafe
und spezielle Straftatbestände, die dem Schutz junger Ehefrauen vor
Mitgiftmorden dienen.
Am Wochenende wurden Mandanten empfangen und die Prozesse der nächsten
Woche vorbereitet.
Einmal im Monat fährt einer der Anwälte ins Landesinnere, um
zusammen mit einem Kollegen und einem Richter die Streitfälle, die
sich in einem Dorf innerhalb der letzten 4 Wochen angehäuft haben,
zu verhandeln. Menon & Pai vertreten Tata, eine Gesellschaft, die
von Lkws bis Tee alles produziert, und da kommt schon was zusammen. Das
waren auch die Highlights des Aufenthalts und ich habe bei der Gelegenheit
auch den Kanzleigründer, einen alten Herrn in den 80ern kennengelernt.
Wie man sich denken kann, war der Tagesablauf nicht gerade sehr spannend
und die Anwälte selbst auch etwas reserviert. Ich bin zwar mit in
eine Familie zum Essen eingeladen worden, aber das war´s dann auch
schon. Vor mir war ein männlicher Referendar dort und mit dem haben
die Anwälte viel mehr auch privat unternommen. Ist auch vom kulturellen
Hintergrund her zu sehen, denn es gab immerhin eine Anwältin in der
Kanzlei, aber Frauen werden immer noch nicht so hoch angesehen.
Viel habe ich also nicht machen können und auch auf Nachfrage habe
ich keine echten Aufgaben bekommen, was ich Schade fand.
Aber es war mal interessant, einen Einblick in eine uns so fremde (Arbeits-)
Welt zu bekommen.
Eine Bekannte von mir war dagegen bei der Deutsch-Indischen Handelskammer
in Kalkutta und hat viel mehr mitbekommen und konnte auch selbst viel
mitarbeiten. Es kommt eben darauf an, wo man landet.
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