Jaipur ist die Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan und wird auch "Pink City" genannt. Der Grund dafür erschließt sich, wenn man die Altstadt betritt, auch wenn es für meinen Geschmack eher orange als pink ist. Der Grund für diesen Anstrich der Gebäude war übrigens ein Besuch des Prince of Wales 1876, der dann später als Edward VII in die Annalen der britischen Geschichte einging.

Jaipur wurde 1727 von Jai Singh II gegründet. Dieser Monarch muß ein wirklich beeindruckender Mann gewesen sein. Er hat die Stadt auf dem Reißbrett entworfen, war ein guter Taktierer auf dem Schlachtfeld und in der Politik, interessierte sich für Astronomie und war sehr gebildet. Mit Jaipur, der Stadt, die noch heute seinen Namen trägt, hat er sich ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Ein absolutes Muß eines Besuches ist natürlich der City Palace mit dem Palast der Winde, dem Hawa Mahal.
Noch heute weht ein Hauch der Mogulkaiser durch den Palast, denn ein Teil ist ein Museum, in einem anderen Trakt wohnen noch die Nachfahren des Maharajas.
Das Museum ist in verschiedenen Gebäuden untergebracht und man kann Prachtgewänder, Kutschen, Waffen, Teppiche etc. sehen. Etwas besonderes sind die großen silbernen Wasserbehälter. Genauso wie unserein heute ging es einem der Maharajas. Er glaubte auch, das Wasser in der Fremde sei für ihn ungenießbar und nahm deshalb Wasser aus Indien nach England mit.
Das Hawa Mahal, eines der Wahrzeichen der Stadt, gehört auch zum Palast und ist eigentlich nur eine Fassade. Früher saßen hinter den vergitterten Fensteröffnungen die Damen des Hauses und beobachteten das Treiben auf der Straße. Unter das normale Volk durften sie sich natürlich nicht mischen. So konnten sie aber wenigstens das andere Leben beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Der Blick auf das Gewimmel aus Menschen, Autos, Fahrrädern, Kamelen, Kühen, Motorrädern und Rikschas ist immer noch faszinierend und lohnt sich in jedem Fall.

In der unmittelbaren Umgebung des Palastes befindet sich das Observatorium, das Jantra Mantra. Das ist keine Ansammlung moderner Kunst, wie man beim ersten Anblick meinen könnte, sondern ein Observatorium, das Jai Singh 1728 erbauen ließ. Er hat übrigens noch 4 weitere Observatorien bauen lassen, aber das in Jaipur ist das größte und am besten erhaltene. Wer mag, kann die überdimensionale Sonnenuhr, das Gnomon, hinaufsteigen oder sein Sternzeichen bei den verschiedenen Meßinstrumenten suchen.

Nach so viel Kultur sollte man sich einfach mal durch die Gassen treiben lassen, sich einen Mosambi-Saft (eine Zitrusfrucht) frisch auspressen lassen und die Stadt auf sich wirken lassen.
Noch ein Tipp für Kultur der etwas anderen Art: Geht doch mal ins Kino! Nicht Hollywood sondern Indien produziert die meisten Filme weltweit und eine schöne Bollywood-Schnulze mit den typischen Tanzeinlagen sollte man sich nicht entgehen lassen, auch wenn man kein Wort versteht. Und wenn schon Kino, dann hier in Jaipur und im Kino Raj Mandir, dem zweitgrößten Kino in Indien. Mit seinem plüschigen (damals) hellblauen Teppich und seinem etwas, na sagen wir, orientalisch-üppigen Interieur ist das Kino selbst schon eine Sehenswürdigkeit. Daneben ist es auch mal interessant zu sehen, wie das Familienereignis Kinobesuch hier schon fast zelebriert wird. Also Ticket besorgen und ab in´s Kino!

 

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Ein lohnenswerter Abstecher von Jaipur aus ist ein Ausflug mit einer Rikscha nach Amber, ca. 20 km von Jaipur entfernt. Denkt in jedem Fall daran, den Preis vorher auszuhandeln!
Auf dem Weg zu dieser Festung kann man auch noch den königlichen Friedhof des Kachchwaha-Klans in Gaitor besuchen. Natürlich ist das Grab von Jai Singh II das schönste. Es leuchtet in seiner weißen Marmorpracht und die Kuppel wird von 20 Säulen gestützt. Auf jeder dieser Säulen kann man eine Szene aus der hinduistischen Mythologie bewundern.
Aber Achtung, nicht jeder Stock ist ein Stock, wenn es sich bewegt und zischt, kann es auch eine Kobra sein!
Gegenüber befindet sich übrigens ein kleines Wasserschloss Jal Mahal.

Die Palastfestung Amber ist in jedem Fall einen Besuch wert. Unten am Fuß des Hügels gibt es einen kleinen geometrisch angelegten Garten. Zur Festung selbst kann man hinauflaufen oder sich von einem Elefanten tragen lassen. Aber der Weg ist nicht allzu weit und der Elefant teuer...
Über eine Treppe betritt man dann den Diwan-i-Am, die Halle, in der öffentliche Audienzen stattfanden. Der Kaiser weilte natürlich nicht zusammen mit den Untertanen, sondern saß in einer Empore.
Wenn man dann durch das Ganesh Pol (Elefantentor) tritt, gelangt man in den Garten. Mich haben immer die kleinen und großen Gärten in diesen Palästen fasziniert, immer plätschert irgendwo ein kleiner Brunnen und verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Aber dass die Wüstensöhne Wasser hoch schätzen und daher immergrüne Gärten auch ein Zeichen des Reichtums sind, ist verständlich. Hier befindet man sich nun in den privaten Räumen des kaisers, kann sich im Jai Mandir (Siegeszimmer) von den farbenfrohen Einlegearbeiten verzaubern lassen oder sich in der Spiegelhalle Sheesh Mahal in die Welt von 1001 Nacht entführen lassen. Laßt euch einfach Zeit beim Erkunden der Räume und laßt eure Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Die Frauen, die in ihren wunderschönen Saris durch die Zimmer schweben, helfen sicher dabei ;-)

Wer übrigens glaubt, bis zur Festung ganz oben auf dem Gipfel getragen zu werden, der täuscht sich. Über Amber selbst thront auf dem höchten Punkt die Festung Jaigarh, aber da muß man schon selbst hinauflaufen. Neben einem schönen Blick kann man dort eine der größten Kanonen Asiens Jaya Vana sehen.

 

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